instant-messaging-dienste
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| instant-messaging-dienste [2021-06-02 23:33:37] – [Open-Source-Projekte] manfred | instant-messaging-dienste [2022-02-03 00:22:33] (aktuell) – [Instant-Messaging-Dienste] manfred | ||
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| + | ====== Instant-Messaging-Dienste ====== | ||
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| + | * siehe auch: [[Instant Messaging]] | ||
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| + | ===== Nostalgie ===== | ||
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| + | ==== Der Pionier ==== | ||
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| + | gilt als der erste Internet-weite Instant-Messaging-Dienst im heutigen Sinne, er breitete sich rasch aus, weil es damals keine vergleichbare, | ||
| + | Die erste ICQ-Software wurde im November 1996 vom israelischen Startup-Unternehmen Mirabilis veröffentlicht. Es wurde von den vier israelischen Studenten //Yair Goldfinger//, | ||
| + | ICQ gehörte ab Juni 1998 dem US-amerikanischen Unternehmen AOL (gekauft für 407 Millionen US-Dollar) und im April 2010 wurde es an die russische [[https:// | ||
| + | Das verwendete proprietäre, | ||
| + | Nachdem Mirabilis von AOL aufgekauft worden war, wurde das ICQ-Protokoll stark an das Protokoll des AOL Instant Messengers angepasst. So werden die ICQ-Nummern intern mittlerweile als Screennamen gespeichert. Durch diese Maßnahme ist es möglich, mit beiden Messengern jeweils auch Nutzer des anderen Messengers zu kontaktieren. | ||
| + | ICQ stand in der Kritik eine Adware zu sein, weil es unter anderem ohne Einwilligung der Benutzer deren Browser-Startseite und -Suchmaschine änderte. | ||
| + | Zu Beginn des Jahrtausends hatte ICQ eine Nutzerschaft von weit mehr als 100 Millionen und war damit Marktführer im Bereich Instant-Messaging. Am 19. Dezember 2005 gab AOL Time Warner bekannt, dass ICQ ein Patent für Instant Messaging zugesprochen bekommen hat. | ||
| + | 2010 hatte ICQ nur noch 42 Millionen Nutzer. | ||
| + | 2013 zählte ICQ nur noch 11 Millionen Nutzer. | ||
| + | Ab Version 10, welche im März 2016 erschien, werden der Chat-Verlauf synchronisiert, | ||
| + | Seit dem Relaunch am 07. April 2020 wird der Dienst unter dem Namen ICQ New geführt. | ||
| + | Die Nichteinsehbarkeit des Quelltextes von ICQ wird als problematisch und als Risiko für Sicherheit, Anonymität und Privatsphäre der Benutzer angesehen. Dieses Problem teilt ICQ mit fast allen anderen Instant-Messaging-Netzwerken. In Verbindung mit den in Bezug auf alternative Clients restriktiven Nutzungsbedingungen, | ||
| + | ICQ bietet nur ein Scrambling der übertragenen Daten, der Inhalt der Kommunikation ist also für jeden Mittelsmann einsehbar. Manche alternativen Clients (siehe oben) bieten – meist über Plug-ins – Verschlüsselungsmethoden an. Eine Verschlüsselung ist häufig nur möglich, wenn beide Kommunikationspartner denselben Client mit demselben Plug-in verwenden. Ausnahmen bilden Off-the-Record Messaging, das mittlerweile für verschiedene Clients verfügbar ist, und SSL-Verschlüsselung zwischen [[https:// | ||
| + | ICQ startete einen Test mit dem offenen Protokoll XMPP (ein verschlüsselbares Protokoll), stellte aber den Testbetrieb Anfang 2008 nach Bekanntwerden wieder ein. | ||
| + | Neben dem offiziellen ICQ-Client gibt es auch kompatible Clients von Drittherstellern. Die meisten von ihnen sind Open-Source-Software und unterstützen neben dem ICQ-Protokoll noch andere Protokolle wie z. B. AIM, IRC, XMPP, MSN. Allerdings verbieten die Nutzungsbestimmungen von ICQ Inc. explizit die Erstellung und Nutzung alternativer Clients zur Interaktion mit dem ICQ-Dienst. | ||
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| + | ==== Der erste mit Verschlüsselung ==== | ||
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| + | ist ein offener Standard eines Kommunikationsprotokolles, | ||
| + | Jeremie Miller begann 1998 mit der Entwicklung eines Echtzeit-XML-Streaming-Protokolls, | ||
| + | XMPP basiert auf dem XML-Standard und ermöglicht den Austausch von Daten. Es wird unter anderem für Instant Messaging eingesetzt. Erweiterungen von XMPP stellen die von der XMPP Standards Foundation (XSF) veröffentlichten XMPP Extension Protocols dar. | ||
| + | Seit Ende 2005 sind mit XMPP Peer-to-Peer-Sitzungen für VoIP-Telefonie möglich (Jingle Audio). | ||
| + | Mittlerweile existieren weitere Anwendungen, | ||
| + | Weltweit gibt es mehrere tausend XMPP-Server. Einige Privatpersonen, | ||
| + | Im Jahr 2009 hat Cisco Jabber Inc. aufgekauft. Eine Integration in eigene Softwarelösungen ist geplant. | ||
| + | Die Verbindung zwischen einem Client und dem Server, an dem dieser Client angemeldet ist, kann mittels Transport Layer Security (SSL/TLS) verschlüsselt werden (Client-zu-Server-Verschlüsselung). | ||
| + | Client-zu-Client-Verschlüsselung ist für die Betreiber eines XMPP-Servers sicher die bevorzugte Variante, da so weniger Ressourcen auf den Servern verbraucht werden, des weiteren ist das aus Sicht des Anwenders auch die sicherste Methode. | ||
| + | Ein Verfahren zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist OpenPGP. | ||
| + | OMEMO ist eine Erweiterung des XMPP-Protokolls das Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen Nutzern ermöglicht. Außerdem realisiert OMEMO die Anforderung Perfect Forward Secrecy und Glaubhafte Abstreitbarkeit. Alle gängigen XMPP-Server beherrschen diese Protokollerweiterung, | ||
| + | Erweiterungen wie z. B. Audio- und Video-Chat über Jingle werden standardmäßig nicht verschlüsselt. | ||
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| + | ===== Open-Source-Projekte ===== | ||
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| + | Der Ursprung war ein Java-basierter Messenger-Client für XMPP und weitere Protokolle, jetzt Jitsi Desktop genannt. Inzwischen gibt es mit Jitsi Meet eine Software für Videokonferenzen, | ||
| + | Die Entwicklung von Jitsi, damals noch „SIP Communicator“ (SIP ist ein Akronym für Session Initiation Protocol), wurde 2003 an der Universität Straßburg von Emil Ivov begonnen. Ende 2006 war das Projekt so weit fortgeschritten, | ||
| + | Im November 2007 erschien die zweite Alpha-Version, | ||
| + | Die Zahl an Entwicklern, | ||
| + | 2009 gründeten Emil Ivov und Yana Stamcheva das Unternehmen Blue Jimp, um Beratungsleistungen für Jitsi anzubieten und die Weiterentwicklung sicherzustellen. | ||
| + | 2011 wurde das Projekt in Jitsi umbenannt, da es sich nach der hinzugefügten Unterstützung von Audio- und Video-Gesprächen nicht mehr nur um ein SIP-Softphone, | ||
| + | Den Audio-Codec SILK unterstützt Jitsi seit 2011. | ||
| + | 2015 wechselte das Projekt von der LGPL zur Apache-Lizenz, | ||
| + | seit 2015 kann Jitsi auch als JavaScript Library direkt im Browser ohne Softwareinstallation ausgeführt werden, einstweilen für Chrome, Opera und Mozilla Firefox (ab Version 40). | ||
| + | Mit der Jitsi Videobridge können Konferenzräume realisiert werden, die mit geringen Server-Ressourcen auskommen und sparsam mit der Bandbreite sind. Ein solcher Service wird von den Jitsi-Entwicklern auch selbst angeboten. Außerdem wird 2015 die Firma Blue Jimp von Atlassian gekauft. | ||
| + | 2018 übernimmt die Firma 8x8 das Entwicklerteam und die Markenrechte von Atlassian, um Jitsi in ihre eigenes Produkt zu integrieren. | ||
| + | Mitte 2020 nutzten ca. zehn Millionen Personen die Plattform. | ||
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| + | Jitsi Meet ist eine Serversoftware, | ||
| + | Jitsi Videobridge verteilt basierend auf der SFU-Technologie die gerade aktiven Videostreams an alle Teilnehmenden. | ||
| + | Das hat den Vorteil von vergleichsweise geringem CPU-Bedarf auf Server-Seite, | ||
| + | Die maximale Teilnehmendenzahl einer einzelnen Konferenz hängt von der jeweiligen Installation ab. | ||
| + | Grundsätzlich werden Videokonferenzräume über eine eindeutige URL definiert und es wird kein Benutzerkonto benötigt. Teilnehmende können optional einen frei wählbaren Namen setzen. Jeder Teilnehmende kann einen Videokonferenzraum eröffnen und andere einladen. Da so keine personenbezogenen Daten erfasst werden müssen, kann Jitsi anonym genutzt werden. | ||
| + | Dennoch können Moderationsrechte vergeben werden: Räume können mit einem Passwort geschützt oder Teilnehmende nur auf Nachfrage zugelassen (Lobbymodus) werden. In einer laufenden Konferenz können einzelne Teilnehmende stumm geschaltet oder ganz entfernt werden. Moderationsrechte werden grundsätzlich dem ersten Teilnehmenden übergeben der die Konferenz betritt. Es ist aber administrativ möglich, dass nur authentifizierte Benutzer neue Konferenzräume erstellen können. | ||
| + | Diese haben dann auch die alleinigen Moderationsrechte. | ||
| + | "Jitsi Meet" und "Jitsi Desktop" | ||
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| + | BigBlueButton stehen unter der freien LGPL-Lizenz. | ||
| + | Heute verwendet BigBlueButton HTML5 und WebRTC für Audio, Video und Screen-Sharing, | ||
| + | Für mobile Endgeräte gibt es keine Apps, BigBlueButton funktioniert dort ab Android 6.0 mit Google Chrome und bei Apple-Geräten ab iOS 12.2 mit dem Safari Browser. In beiden Fällen ist die Screen-Sharing Funktion nicht nutzbar, da sie von diesen mobilen Browsern nicht unterstützt wird. | ||
| + | BigBlueButton wird in Deutschland von den Bildungsministerien mehrerer Bundesländer auf eigenen Servern gehostet und für ihre Schulen genutzt. Mehrere Universitäten und Hochschulen nutzen die Software für ihre Lehrveranstaltungen, | ||
| + | Die ARD.ZDF medienakademie benutzt auf ihrer Lernplattform BigBlueButton. Auch in Myanmar und in weiteren Staaten wird sie für Bildungszwecke eingesetzt. | ||
| + | Das Video- und Webkonferenz-System kann auf eigenen Servern betrieben werden, sodass die Einhaltung des Datenschutzes nachprüfbar möglich ist. Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt (SRTP). Konferenzen werden standardmäßig aufgezeichnet, | ||
| + | Grundsätzlich gehört BigBlueButton global zu den sichersten Webkonferenzsystemen, | ||
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