Quelle: ADAC Motorwelt vom Juni 2017, Seite 5 ("EDITIONAL")
Nach dem apokalyptischen Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora am 10. April 1815 verdunkelten gewaltige Aschewolken den Himmel. Es folgte das "Jahr ohne Sommer" mit Unwettern, Überschwemmungen, Frost bis in den Juli, Missernten, Getreideknappheit und Hungersnöten. Pferde, für die kaum Nahrung vorhanden war, wurden massenweise geschlachtet. Die globale Notlage verlangte pragmatische Lösungen, unter anderem auch ein simples Fortbewegungsmittel, das Menschen von Pferden unabhängig machte.
Karl Freiherr Drais von Sauerbronn, ein kreativer Förster aus Karlsruhe, hatte, wie er später erklärte, beim Schlittschuhlaufen einen genialen Geistesblitz. Er konstruierte einen Holzrahmen mit zwei Rädern und einem Sitz - das Veloziped, die Draisine, das Fahrrad, war erfunden. Am 12. Juni 1817 brach er auf zu seiner ersten Testfahrt von Mannheim nach Schwetzingen und zurück. Später unternahm Drais Fernfahrten nach Baden-Baden und Paris, um seine Erfindung bekannt zu machen. 200 Jahre danach hat sich Motorwelt-Autor Fabian Herrmann auf Drais' Spuren begeben (S. 12).
Von der Laufmaschine bis zum Elektromotor: Das Fahrrad hat sich im Laufe der Jahre radikal verändert. Meilensteine waren die Einführung des Pedalantriebs 1861 und die ersten Luftreifen 1888. Elektrische Räder sind seit den 1990er-Jahren unterwegs.
Fahrzeugbestand in privaten Haushalten in Deutschland (Stand 2016):
Fahrradabsatz 2016 nach Modellgruppen:
Anteil des Fahrrades am Stadtverkehr:
Trotz aller Innovationen und Erfolgsmeldungen bietet das Jubiläum von 200 Jahren Fahrrad keinen Anlass für eine ungetrübte Jubelberichterstattung. Mehr denn je sind die Lenker im dichten Stadtverkehr, auf Landstraßen aber auch beim Mountainbike-Ausflug großer Gefahren ausgesetzt. Immer öfter werden hastig geöffnete Autotüren, unachtsam abbigende Lkws oder gewissenlose Hochgeschwindigkeitsradler zum lebensgefährlichen Risiko. Der Schweizer Unfallverhütungsexperte Stefan Siegrist hat festgestellt (Motorwelt 11/2016), dass die Geschwindigkeit von Zweiradfahrern von anderen Verkehrsteilnehmern oft unterschätzt wird. Vor allem für die Fahrer von besonders flotten, elektrifizierten Rädern hat das dramatische Folgen. "Wir haben in der Schweiz einen auffallend hohen Anteil von Pedelec-Fahrern unter den im Jahr 2015 tödliche verunglückten Radfahrern." Die steigenden Zahlen tödlicher Unfälle bei Pedelec-Fahrern, so ADAC Vizepräsident Becker, zeigten, "wie wichtig gegenseitige Rücksicht, moderates Tempo und das Tragen eines Helmes sind".