Deutschland im Jahr 2020
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Laut des Tarifvertrags des Verbandes beläuft sich die Einstiegsgage für Schauspieler auf mindestens 850 Euro pro Drehtag, bei Produktionen von Netflix auf 1.000 Euro.
Beim ZDF existiert zum Beispiel ein Gagenraster. Das heißt: Der Schauspieler wird je nach Erfahrung einer gewissen Gage zugeordnet - besonders wichtig ist dabei, wie viel der Darsteller bereits beim ZDF gedreht hat.
Das heißt: Junge Schauspieler beginnen mit der Einstiegsgage und arbeiten sich mit zunehmender Anzahl an Film- und Fernsehproduktionen hoch. "Ein Schauspieler mit zehnjähriger Berufserfahrung, der viele Nebenrollen gespielt hat, kommt trotzdem oftmals auf weniger als 2.000 Euro pro Drehtag", weiß Schafmeister.
Nun mögen diese Summen auf den ersten Blick attraktiv erscheinen. Berücksichtigt man allerdings, dass sehr viele Schauspieler aufgrund der hohen Konkurrenzsituation oftmals nur fünf Drehtage im Jahr oder weniger haben, sieht die Situation gänzlich anders aus.
Schauspieler müssen also versuchen, aus den wenigen Drehtagen das bestmögliche Einkommen herauszuschlagen. Fernsehsender und Produktionsfirmen versuchen allerdings, die Honorare zu drücken. Daher wurden die sogenannten Sondergagen eingeführt.
Schafmeister erklärt: "Sondergagen bewegen sich unterhalb des normalen Gagenniveaus und werden bei Vorabendserien gezahlt. Bei der ARD verdienen erfahrene Schauspieler dann lediglich 1.500 Euro pro Tag. Bei einer ZDF-Krimiserie wie der SOKO verdienen selbst Stars nicht mehr als 2.500 Euro pro Drehtag."
Glücklich darf sich schätzen, wer eine der begehrten Serienhauptrollen ergattert und ein festes Gehalt bezieht – zum Beispiel bei einer Daily Soap wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder "Alles was zählt".
Ein Schauspielagent, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: "Wenn man viel Erfahrung mitbringt, kann man bei einer Soap gut und gerne 10.000 Euro im Monat verdienen. Teilweise sogar mehr, oftmals aber auch weniger. Manche Schauspieler bekommen ein festes Monatsgehalt von 3.000 Euro und erhalten zusätzlich eine Extravergütung für die Folgen, in denen sie stattfinden. Anfänger kommen dann auf 4.000 oder 5.000 Euro im Monat, Fortgeschrittene auf 6.000 bis 8.000 Euro."
Kinofilme mögen der Traum vieler Schauspieler sein, sind allerdings längst nicht so profitabel, wie oftmals angenommen wird. "Früher gab es im Kino mehr zu verdienen als beim Fernsehen. Das ist mit wenigen Ausnahmen schon längst nicht mehr so”, sagt Schafmeister.
Die Ausnahmen sind meist Kinderfilme und Komödien - im Idealfall mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer oder Elyas M'Barek in der Hauptrolle. Allerdings werden solche Filme oftmals bis in die kleinste Nebenrolle prominent besetzt. Das heißt: Der Durchschnittsschauspieler hat kaum eine Chance, eine Rolle zu ergattern.
Kinofilme, die tendenziell nur ein kleines Publikum erreichen, und das trifft auf die meisten deutschen Kinoproduktionen zu, haben nur ein kleines Budget und können den Schauspielern weniger zahlen. 1.000 Euro pro Drehtag sind eher die Regel als die Ausnahme.
Insgesamt entdeckt Schafmeister aber auch positive Tendenzen: "In den vergangenen Jahren war die Anzahl der Film- und Fernsehproduktionen rückläufig. Das hat sich durch die Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon vielleicht etwas gebessert."
Dennoch werden auch zukünftig nur wenige Schauspieler von ihrem Beruf leben können. Das wirkt sich auch auf die Altersvorsorge aus. "Altersarmut ist das Schicksal der Schauspieler", sagt Schafmeister und bringt Beispiele: "Der renommierte Schauspieler Horst Janson bekommt 420 Euro Rente im Monat, eine Eleonore Weisgerber 820 Euro."
Daher stehen diese und viele andere Schauspieler auch im hohen Alter noch auf der Bühne oder vor der Kamera – weil sie es wollen, und weil sie es müssen.